Gruppenunterricht
Musikunterricht in Gruppen ist ein Thema, das mit großen Unsicherheiten verbunden ist.
Nicht nur bei ihnen. Auch aus fachlich-pädagogischer Sicht gilt es, sich intensiv mit dem Lerngeschehen in Gruppen auseinanderzusetzen. Deshalb, und weil wir auf ihre diesbezüglich an uns
gestellten Fragen reagieren möchten, nutzen wir die Gelegenheit, das Thema Gruppenunterricht zu beleuchten.
Bitte verwechseln sie Gruppenunterricht nicht mit der Hälfte an Zeit und Aufmerksamkeit, die ihrem Kind gewidmet ist. Bei einem 2er-Gruppenunterricht von 30 Minuten, stehen also nicht 15 Minuten
dem einen Schüler und 15 Minuten dem anderen zur Verfügung.
Stellen sie sich bitte einen "normalen" Musikunterricht an einer allgemeinbildenden Schule vor. Dort dauert eine Einheit 45 Minuten bei einer angenommenen Klassengröße von 30. In diesem Setting
stehen nicht den einzelnen Schülern 1,5 Minuten pro Kind zur Verfügung. Sondern alle Kinder profitieren gleichzeitig von den gesamten 45 Minuten.
Woran liegt das?
Der pädagogische Hintergrund von Gruppensettings basiert auf den verschiedenen Formen menschlichen Lernverhaltens.
Sibylle Nowak beschreibt beim internationalen Musikschulkongress 2009 in Berlin das "Wesen des Gruppenlernens":
- Musik bedeutet von Beginn an Interaktion und wirkt isoliertem solistischem Musizieren entgegen
- die Schüler motivieren sich gegenseitig - die Gruppe kontrolliert
- die Schüler lernen voneinander
- Wechsel von solistischem Hervortreten und Einordnen in die Gruppe, Förderung der sozialen Persönlichkeitsentwicklung
- Schüler lernen sich und andere zu beobachten, zu reflektieren, zu verbalisieren, zu korrigieren, sich gegenseitig zu unterstützen und schulen damit ihre Selbstständigkeit und Verantwortung
für sich und die Gruppe
- Vorspielen wird zur Selbstverständlichkeit
- Gruppe gibt dem Lehrer ein unmittelbares Feedback, ob sie mit dem Unterricht zufrieden ist
Aus lernpsychologischer Sicht werden die Vorteile von Gruppensettings auf vielfältige Weise beschrieben:
- Das Lernen in einer Gruppe ist oft anregender und motivierender, als das Lernen alleine. Da jedes Gruppenmitglied andere Ideen oder Ansichten hat, entsteht ein "Gruppenvorteil" hinsichtlich
Qualität und Kreativität; man selbst wird auf neue Gedanken gebracht.
- Lerngruppen helfen dabei, Lerninhalte zu vertiefen, da man sich oft an die Interaktion mit den anderen Gruppenteilnehmern erinnert und daher auch der mit dieser Erinnerung verknüpfte
Lernstoff nachhaltig assoziativ erinnert wird.
- Eine Gruppe kann die Lern- und Durchhaltemotivation steigern. Die von einer guten Lerngruppe ausgehende soziale Unterstützung trägt dazu bei, dass man "bei der Stange bleibt".
- In Lerngruppen lässt sich gut testen, ob z.B. das im Einzelstudium Gelernte auch wirklich verstanden wurde, denn wer Lerninhalte anderen erklären kann, zeigt, dass er sie auch wirklich
verstanden hat.
- Lerngruppen sind ideal, um das Präsentieren von Gelerntem zu üben.
- Gruppen bieten auch die Möglichkeit zum sozialen Lernen: In Gruppendiskussionen lernt man zu erkennen, dass es nicht nur eine "richtige", sondern mehrere mögliche Wahrheiten gibt. Dies führt
zu einer toleranteren Haltung gegenüber den Standpunkten anderer und zur Klärung von Missverständnissen und Konflikten.
- Wer sich aktiv am Gruppengeschehen beteiligt, lernt, zu argumentieren, zu diskutieren und sein Wissen verständlich und strukturiert vorzutragen. Dabei werden dann oft Wissenslücken oder
Verständnisprobleme aufgedeckt oder man lernt andere Interpretationen und Einschätzungen kennen. Das eigene Wissen wird also überprüft, ergänzt oder verändert und dabei stabilisiert.
Wir hoffen, mit diesen Erläuterungen etwaigen Unsicherheiten im Bezug auf instrumentalen Gruppenunterricht einige fachliche Argumente zur Verfügung stellen zu können.
Sprechen sie mit uns wenn sie weitere Fragen haben.